Landpartie nullneun
Die Literarische Jahresanthologie des Hildesheimer Studiengangs
Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus
Elisa Ring
Auszug aus „und wie es bunter wurde nochmal“

4 und wie die Frau rausging zu dem Mann und sich neben ihn setzte und ihn anguckte und rauchte
Sie war rauchend ausgegangen, hatte den Kopf gehörig schief gelegt, ein Ohr in den Wind gehalten und dann bis zum nächsten Beinwechsel gewartet. Schwarzer Krautsalat hatte unter der Melone hervorrutschen wollen, dem silbern glänzenden Hemd entgegen, die breiten Nasenlöcher zu verbergen, dann hatte er die Augen gehoben. Zunächst hatte sie daran denken müssen, ein Plädoyer für alles Universelle zu halten, um seinen Wahnsinn beschwichtigen zu können, bis sie dann gemerkt hatte, dass es nur ihr eigener gewesen war, der sich kreisrund in seinen Augen spiegeln hatte wollen. Und sich wirbelnd verloren hatte, als er die Wimpern wieder darübergeschlagen und weiterzulesen begonnen hatte, weil sie dann ruhig geblieben war. Mit der Zeit, einer kurzen, denn der Wind war stark gewesen, war die Zigarette ausgegangen, und sie hatte sich neben ihn gesetzt, und dann hatte er sie neu entzündet. Neben ihm hatten all ihre Wohnungen weiß gewirkt, aber sie hatte es nicht laut gesagt, sie hatte dann die Steine betrachtet, die Grasbüschel, die Autoreifen, weiß, weiß, die Fensterläden, weiß, die Menschen hatten gestrahlt, ihre Bewegungen waren wie Kondensstreifen in der Luft stehen geblieben und hatten alles vernebelt, geweißt, nicht einmal den Himmel hatte sie sehen können, als die Schachtel aufgeraucht gewesen war, denn das Ungeziefer war zahlreich gewesen vor dem Gewitter, das nicht gekommen war und noch nicht gekommen war. Und sie hatte gewusst, dass sie nur dann nicht allein gewesen sein würde, wenn sie bei ihm geblieben sein wird. Lächelnd hatte sie ein Register aller seiner Eigenheiten angelegt: das Streifende unterteilt in: Buchseiten, Hosenbeine, Wimpernschläge; die Schwärze in: Melone, Haar, Augen und Hände; das noch Fragliche in: Beige und Silber.